Informationen zur Kirche in Alt Placht


Die ehemalige Gutskapelle von Alt Placht, - um 1700 erbaut - sie ist ein Bau, der sich in seine Landschaft einfügt und sie beispielhaft verinnerlicht. Zusammen mit den umstehenden 500jährigen Linden bildet sie ein Ensemble von besonderem Reiz, das eine Stimmung des Einsseins von Wachsen uns Bauen vermittelt. So wird das Kirchlein zu einem sinnfäligen Zeichen für den Zusammenhalt von Natur, Religion und Kultur.

 

Seit etwa 1970 schien das Gebäude dem Untergang geweiht zu sein. Durch Verfall und mutwillige Zerstörung bot die Stätte ein Bild der Verwahrlosung und Verwüstung. Alles von Wert war entwendet worden bis hin zu alten Kastenschlössern und schmiedeeisernen Türbeschlägen. Die noch vorhandene Bronzeglocke wurde an das Elisabeth-Stift in Berlin verkauft. Ein Gutachten des kirchlichen Bauamtes beschied nunmehr, "diesen Schandfleck baldmöglichst zu beseitigen". Doch selbst dazu fehlten die Mittel. 1989 drohte die Kirche endgültig einzufallen.

Da viel die Berliner Mauer. Alsbald fanden Menschen aus Ost und West zueinander und gründeten einen Förderverein zur Rettung des Kleinods. Das die Kirche nach Jahrzehnten des Verfalls wiedererstehen konnte, gleicht einem Wunder. Die Initiative ging von einem Westberliner aus, der sich aufs Bauen verstand. Das Kirchlein war ihm seit Kindertagen vertraut; denn sein Vater stammte aus dieser Gegend. In der Aufbruchstimmung nach der Wende gingen die Vereinmitglieder nun ans Werk.

Im Jahre 1993 konnte mit der Restaurierung der Kirche begonnen werden. Ein Sponsor hatte sich gefunden, der bereit war, den Wiederaufbau über die Deutsche Stiftung Denkmalschutz zu fördern. Doch damit allein ar es noch nicht getan. Viele Hilfsarbeiten sind von ABM-Beschäftigten geleistet worden. Hinzu kamen freiwillige Helfer in großer Zahl, die in Arbeitseinsätzen dazu beigetragen haben, das Aufbauwerk voranzubringen.

Die Ausfachung der Kirche wurde im Rahmen eines Lehmbauseminars begonnen. Die Teilnahmer waren so begeistert, dass sie an den folgenden Wochenenden wiederkamen, bis die Arbeit fertig war. Zum Erntedankfest 1994 war es dann soweit: Nach dreizig Jahren konnte in der Kirche wieder Gottesdienst gefeiert werden, und seit Johanni 1995 erklingt vom Turm auch wieder die heimgekehrte Glocke. Doch noch fehlten die Fenster und vieles mehr, vor allem Bänke. Groß war die Zahl der Spender, die den Verein bei der Ausgestaltung unterstützt haben.

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Die Fachwerkkirche des ehemaligen Gutes Placht wurde auf dem Platz erstellt, wo einst im Mittelalter eine Kirche inmitten eines Dorfes gestanden hatte. Die Fundamente des Vorgängerbaus konnten nachgewiesen werden. (Dokumentiert auf der Kirchenempore.) Ausgangs des 15. Jahrhunderts, so wird angenommen, fiel das alte Dorf, warscheinlich durch Krieg, der Verwüstung anheim.

Charakteristisch für die ehemalige Guts-Kapelle ist die Folge von dicht gestellten Fachwerkstielen, die das stark ausladende Traufgesims des Satteldaches tragen und die Fassade rythmisch gliedern. Die geputzten, rechteckig stehenden Felder überdecken die Riegel und Streben.

Die Bauweise entspricht nordfranzösischen Fachwerkbauten. Sie wurde, so darf angenommen werden, durch hugenottische Einwanderer ins Land gebracht. Hugenottisches Gedankengut aus der Besiedlungsgeschichte der Mark Brandenburg im 17. Jahrhundert ist damit in einer einzigartigen Erscheinungsform erhalten geblieben.

Der Bau ist vermutlich in mehreren Abschnitten entstanden. Danach dürfte der ursprüngliche Bau um den Turmteil mit dem darunterliegenden Grabgewölbe erweitert worden sein. Die Konstruktion des Dachstuhls ließ darauf schließen, dass das Gebäude früher eine Reetdeckung aufwies. So zeigt es sich nach seiner Restaurierung, auch in der Farbgebung der Fassade, nun wieder in seiner ursprünglichen Gestalt.

Das Ensemble bezeugt eine Bauweise, bei der die Natur in die künstlerische Gestaltung einbezogen ist. Auf unsere Zeit bezogen ein Beispiel für ökologisch ausgerichtete Architektur. Von dieser einfachen Kirche, inmitten eines Naturparks gelegen, geht eine anspruchsvolle Botschaft aus: Sein kulturelles Wirken gereicht dem Menschen nur dann zum Segen, wenn es im Einklang mit der Natur geschieht.
Quellenangabe: Informationsflyer "Das Kirchlein im Grünen" vom Förderverein Kirche Alt Placht e.V.

Kontakt:

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